Wochenspiegel-Kolumne: Kirchliches Arbeitsrecht in SB?

Derzeit häufen sich die Berichte, Klagen und Urteile zum kirchlichen Arbeitsrecht. Das Bundesarbeitsgericht hat kürzlich festgestellt, dass ein katholischer Chefarzt, der ein zweites Mal geheiratet hat, nicht gekündigt werden durfte. Zuvor hat der EuGH entschieden, dass Kirchen von ihren katholischen Beschäftigten nur dann spezielle private Loyalitätsverpflichtungen verlangen dürfen, wenn dies für die konkrete Tätigkeit „wesentlich“ ist. Die beiden relevantesten Vorgaben sind dabei das Verbot einer homosexuellen Ehe und das Verbot einer erneuten Heirat nach einer Scheidung. Beschäftigte, die anders leben, als es der Kirche gefällt, sind so großer Rechtsunsicherheit ausgesetzt.

 

Natürlich ist es gut, dass Betroffene hiergegen nun vors Arbeitsgericht ziehen können und dort obsiegen, wenn die Kirche nicht belegen kann, warum konkrete Anforderungen für einen konkreten Beruf erforderlich sind. Noch besser wäre es, wenn das gar nicht notwendig wäre. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit muss jedem Arbeitnehmer möglich sein, auch und gerade denen, die in kirchlichen Krankenhäusern, Schulen und Kitas einen wichtigen Dienst für die Gesellschaft leisten. Wir werden daher im Stadtrat initiativ: Die Verwaltung, die gerne mit der Vielfältigkeit Saarbrückens wirbt auf, muss dieses Problem bei Gesprächen mit den kirchlichen Trägern künftig ansprechen und auf Toleranz und ein Entgegenkommen der Kirchen hinwirken!