Wochenspiegel Kolumne: Wir brauchen ehrliche Politik(er)!

Die Versuchung für Politiker, sich Mehrheiten, Stimmen und Zustimmung zu sichern, indem man eigene Standpunkte aufgibt oder anderen nach dem Mund redet ist in unserem politischen System immer groß. Ständig stehen Wahlen, Abstimmungen, Umfragen oder Listenaufstellungen an, bei denen man sich Mehrheiten sichern muss, um gestalten zu können.

Der Grat zwischen sinnvollen Kompromissen und Beliebigkeit ist dabei sehr schmal, und oft scheinen sich Politiker im Zweifel für ihre Vorteile und nicht für ihre Überzeugungen zu entscheiden. Wie oft das passiert? Jedenfalls so oft, dass man fast schon überrascht ist, wenn ein Politiker zu seinem Wort steht. Was konnte sich Christian Lindner etwa anhören, nur weil er die Jamaika-Verhandlungen abgebrochen hat, nachdem CDU und Grüne nicht ansatzweise zu einer liberalen Politik bereit waren? Oder wie groß war die Überraschung darüber, dass Donald Trump seine teils absurden Wahlversprechen wirklich umsetzt?

Ich finde, wir brauchen mehr Politiker, die nach einer Wahl das machen, was sie vorher angekündigt haben. Wenn die Wähler das Gefühl gewinnen, dass es keinen Unterschied macht, wen man wählt, dann wird extremer gewählt. Wenn man aber weiß, dass nach der Wahl das verfolgt wird, was zuvor gesagt wurde, dann wird die Wahl zwischen den vernünftigen Parteien interessant. Man sollte also Prinzipientreue schätzen und nicht als Dickköpfigkeit abstempeln.